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Parkinson: Diagnose

Wie lässt sich die Krankheit frühzeitig erkennen?

Wer die Diagnose Parkinson erhält, hat nicht selten eine wahre Odyssee durch verschiedene Arztpraxen hinter sich. Aufgrund der vielgestaltigen Symptomatik sind Mediziner vor Herausforderungen gestellt. 

Tritt Parkinson in jungen Jahren auf, sind ähnliche Krankheitsbilder auszuschließen und verschiedene bildgebende Untersuchungen vorzunehmen. Liegt dies hinter Dir, heißt es nun, die Diagnose anzunehmen und das Leben weiterhin mit Optimismus und Elan zu gestalten.

Eine frühe Diagnostik ist hilfreich, um der Ungewissheit ein Ende zu bereiten und entsprechende Therapieschritte zu unternehmen.

Was ist Parkinson?

Parkinson ist einer der häufigsten Erkrankungen des Nervensystems. Erstmals beschrieben wurde die "Schüttellähmung" Anfang des 19. Jahrhunderts vom englischen Mediziner James Parkinson.

Heute weiß die Medizin, es handelt sich nicht um eine Lähmungserscheinung, sondern um eine Bewegungsstörung.

Die Erkrankung bleibt auf bestimmte Bereiche des Gehirns beschränkt. Dort kommt es zum Absterben von Nervenzellen.

Dabei geht die Produktion und Speicherung des Botenstoff Dopamin verloren. Dopamin wird für die Steuerung der Bewegungsabläufe gebraucht. Die Medizin hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht.

Die Erkrankung ist gut behandelbar, nimmt einen langsamen Verlauf und verursacht bei jungen Menschen kaum Einschränkungen im Alltag. Bislang ist Morbus Parkinson nicht heilbar.

Wie kann die Krankheit erkannt werden?

Eine frühe Diagnose kann Dir helfen, Klarheit über Deine Beschwerden zu erlangen und Dich gleichzeitig von der Last der Ungewissheit zu befreien. Der erste Schritt hin zu einer möglichst zeitnahen und zielführenden Diagnose ist die Mitwirkung des Patienten.

Erste Symptome sollten ernst genommen werden. Dabei ist häufig auch Nachdruck nötig. Du solltest Dich nicht mit Äußerungen wie: "Zittern ist doch normal" abspeisen lassen. Die Diagnose kann durch eine neurologische Untersuchung gestellt werden. Dabei gilt es, die für Parkinson typischen Beschwerden nachzuweisen und gleichzeitig andere Erkrankungen auszuschließen.

Dein Hausarzt ist die erste Anlaufstelle. Besonders in der frühen Phase der Erkrankung können die Beschwerden aber oft nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Weiterführende Untersuchungen durch einen Neurologen werden notwendig. 

Bei vorliegenden Bewegungsstörungen sollte der Kopf mittels CCT oder Kernspin untersucht werden, um andere Erkrankungen ausschließen zu können. Die Diagnose wird aber durch andere Untersuchungen geklärt, die wir Dir im Folgenden näher vorstellen.

Parkinson: Diagnose

Welche Methoden gibt es zur Diagnose von Parkinson?

Ein eindeutiges Frühsymptom, welches auf Parkinson hinweist, gibt es leider nicht. Lange vor den charakteristischen Bewegungsstörungen können Beschwerden auftreten, die oft nicht mit Parkinson in Verbindung gebracht werden.

Es geht in dieser frühen Phase primär darum, auf Deinen Körper zu achten und mit Deinem Arzt zusammenzuarbeiten, um den Krankheitsverlauf zu überwachen und hinreichend zu dokumentieren.

Die ersten Anzeichen der Erkrankung sind oft unspezifisch (z.B. Nacken- Schulterschmerzen), sodass es einige Zeit dauern kann bis Parkinson tatsächlich diagnostiziert wird und entsprechend behandelt werden kann.

Um die Diagnose möglichst früh zu stellen, sind einige Methoden hilfreich:

  • L-DOPA-Test
  • Apomorphin-Test
  • nuklearmedizinische Untersuchungen
  • apparative Untersuchungen

L-DOPA-Test - ein Medikament gibt Sicherheit

Deuten die Beschwerden darauf hin und liefern auch die Ergebnisse der neurologischen Untersuchung einen entsprechenden Verdacht, kann ein L-DOPA-Test Gewissheit bringen. Dieser Test muss Dich nicht beunruhigen und basiert lediglich auf der Einnahme eines Medikaments.

Der Wirkstoff L-Dopa ist eine Vorstufe des bei einer vorliegenden Parkinson-Erkrankung fehlenden Dopamins. Du wirst eine bestimmte Menge L-DOPA zu trinken bekommen. Anschließend wird überprüft, ob sich durch die Einnahme des Medikaments die Beschwerden verbessern. Hat die Einnahme einen positiven Effekt auf das Beschwerdebild, liegt der Verdacht auf eine Parkinson-Erkrankung nahe.

Ganz ähnlich läuft ein Apomorphin-Test ab. Der Dopaminagonist wirkt über die Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn. Apomorphin musst Du nicht einnehmen, sondern Du bekommst den Wirkstoff unter die Haut gespritzt.

Die nuklearmedizinische Diagnose 

Neurologische Untersuchungen reichen nicht immer aus, um die Diagnose Parkinson zweifelsfrei zu stellen. Zur Sicherheit kann die Nuklearmedizin herangezogen werden. Es gibt mehrere Verfahren, die je nach Fragestellung eingesetzt werden. Am häufigsten werden DATScan Untersuchungen durchgeführt.  Hier wird leicht radioaktiv angereichertes L-DOPA gespritzt und der.

Arzt betrachtet Dein Gehirn auf Schnittbildern und kann erkennen, ob das Dopaminsignal abgenommen hat und damit auf eine Erkrankung des Parkinsonformenkreises geschlossen werden kann.

Passen die Beschwerden nicht zu Morbus Parkinson, können weitere Untersuchungen folgen.

Mittels FDG-PET kann der Gehirnstoffwechsel abgebildet werden. Das sogenannte DMFP-PET macht eine nähere Betrachtung der Dopamin-Bindungsstellen im Gehirn möglich.

Die apparativen Untersuchungsmethoden – bildgebende Verfahren erleichtern die Diagnostik.

Für die Diagnose von Parkinson lassen sich auch Messungen und bildgebende Verfahren einsetzen. Auch hierbei geht es darum, die Vorgänge in Deinem Gehirn näher zu untersuchen und Aufschluss darüber zu erhalten, ob ein Mangel an Dopamin vorliegt.

Dr. med. Thomas Vaterrodt

Mit standardisierten Geruchspropben (Sniffin Sticks) läßt sich eine parkinsonspezifische Geruchsstörung schon frühzeitig diagnostizieren.

Die Schlafstörungen mit lautem Rufen und nächtlichen Bewegungsstörungen lassen sich in einem Schlafscreening oder Schlaflabor näher abklären.

Eine weitere Methode dient dazu die Diagnose zu sichern und einen frühen Therapiebeginn zu ermöglichen. Hierfür bietet sich die transkranielle Ultraschalldiagnostik an: Der Hirnultraschall ist eine einfach anwendbare und kostengünstige Methode, um die Krankheit im Frühstadium zu entdecken.

Für die Untersuchung setzt der Arzt den Ultraschallkopf an die Schläfe und kann so durch ein kleines, natürliches Fenster in der Schädeldecke das Gehirn begutachten.

Bei etwa 90 Prozent aller Parkinson-Erkrankten werden die Ultraschallwellen in der schwartzen Substanu (Substantia nigra) verstärkt reflektiert und zwar schon bevor sie Symptome zeigen

Parkinson und Vererbung

Kann man auf einem MRT Parkinson feststellen?

Wie bereits erwähnt, können bildgebende Verfahren die Diagnose vereinfachen.

Ein direkter Nachweis einer vorliegenden Parkinson-Erkrankung ist mittels MRT jedoch nicht möglich.

Mit MRT werden Deine inneren Organe und das Gewebe durch Magnetfelder sichtbar gemacht.

Im Rahmen einer Parkinson-Diagnose wird ein MRT meist angewendet, um aufgrund der Symptomatik in Betracht kommende, andere  Erkrankungen auszuschließen.

Was können die ersten Symptome von Parkinson sein?

Eine eindeutige Antwort hierauf können wir nicht geben. Parkinson ist eine Krankheit, die ganz individuell verläuft. Eigentlich hat jeder Betroffene seine ganz eigene Geschichte und diese beginnt meist mit Symptomen, die für einen Laien nur schwer einzuordnen sind.

Parkinson beginnt harmlos und Du wirst die Anzeichen vermutlich einfach ignorieren oder sogar belächeln, wenn es beispielsweise plötzlich Probleme bereitet, die Zähne zu putzen, den Blusenknopf zu schließen oder mit Tastatur und Maus am PC zu arbeiten. Dabei konzentrieren sich die Beschwerden auf eine bestimmte Körperseite.

Diese Symptome sind auch nicht immer von einem Zittern von Armen und Beinen begleitet.. Diese ganz typischen Beschwerden solltest Du nicht ignorieren und Deinem Arzt davon berichten.

Nicht immer macht es uns Parkinson so einfach. Zu den ersten Symptomen können zählen:

  • Schulterschmerzen 
  • Nackenschmerzen
  • Muskelzuckungen im Schlaf
  • Verlust des Geruchssinns
  • Depressionen 
  • Verstopfung
  • Blasenprobleme

Du kennst Deinen Körper am besten. Daher wirst Du auch merken, wenn mit ihm etwas nicht in Ordnung ist. Treten die genannten Beschwerden plötzlich und scheinbar grundlos auf und halten über einen längeren Zeitraum an, solltest Du nicht einfach abwarten und einen Arzt aufsuchen.

Wird die Diagnose frühzeitig gestellt, kann Dir die Gewissheit über die Erkrankung dabei helfen, ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen. Die Ungewissheit hat ein Ende. Du musst keine zeit- und nervenraubenden Untersuchungen mehr über Dich ergehen lassen und kannst Dich ganz auf die für Parkinson maßgebliche Therapie konzentrieren.

Kommt es zu den bekannten Hauptsymptomen ist oft bereits mehr als die Hälfte an Dopamin-produzierenden Nervenzellen verloren gegangen. Folgende Beschwerden gelten als Hauptsymptome einer Parkinson-Erkrankung:

  • Bewegungen erscheinen verlangsamt
  • Bewegungen auszuführen, bereitet Mühe
  • Schritte verlangsamen und verkürzen sich
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Muskeln werden steif
  • Zittern (Tremor) tritt im Ruhezustand auf

Um eine möglichst frühe Diagnose stellen zu können, ist es hilfreich, wenn Dein Arzt Dich so genau wie möglich kennt.

Dazu gehören auch Informationen über Deine Familie. Ist Parkinson innerhalb der Familie bereits einmal aufgetreten, solltest Du dies Deinem Arzt unbedingt mitteilen, unabhängig von den Beschwerden, die vielleicht so gar nicht darauf hindeuten.

Parkinson-Hauttest 

Eine deutsche Forschergruppe hat einen Parkinson-Hauttest entwickelt. Damit war es möglich, bei einer Gruppe von Patienten, die unter Schlafstörungen (REM-Schlafverhaltensstörung) litten, spezifische Eiweißablagerungen in der Haut nachzuweisen.

Der Test ist ein Meilenstein in der Parkinson-Forschung und könnte eine frühzeitige Diagnosesicherung möglich machen. Bisher liegen aber nur sehr wenig Erfahrungen vor bei welchen weiteren Beschwerden, außer Schlafstörungen,  die Gewebeprobe  auch tatsächlich   zu einer Diagnosesicherung führt. Es wird daher noch einige Zeit dauern bis eine Hautentnahme zur Standarddiagnostik gehört.

Gibt es einen Parkinson Selbsttest?

Im Internet kannst Du verschiedene Tests finden. Diese sind allerdings nicht als Diagnosemöglichkeit geeignet und ersetzen auf keinen Fall den Besuch beim Arzt.

Fragebögen zur Früherkennung sind eine Möglichkeit zur Selbstreflexion, dienen aber keinesfalls als Instrument, um mit Sicherheit sagen zu können: "Ich habe Parkinson." Wer derartige Fragebögen ehrlich beantwortet, wird bemerken, ob ein gewisses Risiko vorhanden ist.

Hier geben wir Dir einen kleinen Einblick in die Gestaltung derartiger Fragebögen. Es müssen nicht alle Fragen mit "ja" beantwortet werden. Bei drei bis vier zutreffenden Punkten sind erste Anzeichen für Parkinson gegeben.

  • Fällt es Dir schwer, Deine Schuhe zuzubinden?
  • Zittern Deine Arme und Beine?
  • Hast Du Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten?
  • Ist Deine Stimme leiser geworden?
  • Hast Du Ängste oder Depressionen?
  • Ist Deine Handschrift kleiner geworden?

Mit diesem Testergebnis kannst Du zu Deinem Arzt gehen und diesen beurteilen lassen welche weiteren Untersuchungen erforderlich sind.

Dr. med. Thomas Vaterrodt

In welchem Alter tritt Parkinson in der Regel auf?

In Deutschland leiden schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Menschen an Morbus Parkinson. Aufgrund der unterschiedlichen Symptome und der entsprechend schwierigen Diagnose muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. 

Meist bemerken Betroffene im Alter zwischen 50 und 60 Jahren die ersten Symptome.

Bei etwa zehn Prozent wird die Diagnose vor dem 40. Lebensjahr gestellt. Dann wird von einem "Young-onset-Parkinson-Syndrom" gesprochen. In seltenen Fällen können auch Jugendliche betroffen sein.

Daher ist es umso wichtiger, Symptome nicht zu verharmlosen und aktiv daran mitzuwirken, dass die Diagnose möglichst früh gestellt werden kann und Dir entsprechend geholfen wird.

Nicht zu unterschätzen bei jüngeren Betroffenen sind psychosoziale Faktoren. Die Diagnose Parkinson muss Dich nicht schockieren. Du kannst weiterhin ohne größere Einschränkungen leben und die medizinische Forschung ist längst nicht abgeschlossen.

Bereits heute gilt, wer an Parkinson erkrankt, besitzt keine geringere Lebenserwartung als jeder andere.

Was sollte ich nach einer Diagnose von Parkinson tun?

Die Diagnose kommt nicht selten wie aus heiterem Himmel. Du musst nicht sofort handeln. Gib Dir Zeit, die Diagnose zu verarbeiten und für Dich anzunehmen. Keinesfalls solltest Du in Panik geraten oder in Lethargie verfallen. 

Es ist ein Glücksfall, wenn Parkinson früh diagnostiziert wird. So kannst Du ganz normal weiterleben und es kann Dir frühzeitig und gezielt geholfen werden. Wird dem Dopamin-Mangel im Gehirn entgegengewirkt, lassen sich die Beschwerden unter Kontrolle bringen und Du kannst leben und arbeiten wie bisher.

Die Diagnose annehmen heißt auch, sich über die Erkrankung zu informieren. Dabei kann Dir Dein Arzt helfen. Du findest viele Informationen auf qualifizierten Seiten im Internet (z.B. Seiten der DPV) oder kannst Dich mit Gleichgesinnten in Selbsthilfegruppen und Chats austauschen. Das Gefühl nicht allein zu sein, gibt Dir Halt und lässt Dich mit der neuen Situation viel besser umgehen. 

Du solltest offen und selbstbewusst mit der Erkrankung umgehen. Dies macht es auch Freunden und Familie leichter, Dich zu unterstützen und weiterhin ganz ungezwungen mit Dir umzugehen. 

Gleichzeitig solltest Du Dich mit Deinem Arzt beraten und alle Therapieangebote wahrnehmen. So lässt sich der Krankheitsverlauf aufhalten und Du kannst Dir viele Jahre Deine Lebensqualität erhalten. 

Etwa zehn Prozent aller Parkinson-Patienten erhalten die Diagnose in jungen Jahren. Der Weg dorthin ist oft nicht einfach. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und oft kann eine längere Zeitvergehen, bis Morbus Parkinson diagnostiziert wird.

Für die Diagnose stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Diese sind darauf ausgerichtet, die Vorgänge im Gehirn zu beobachten und sichtbar zu machen. Eine frühe Diagnose hilft jungen Parkinson-Patienten, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und von den Fortschritten der Therapiemöglichkeiten zu profitieren.

Fazit

Text überarbeitet und freigegeben/geprüft durch:

Dr. med. Thomas Vaterrodt
Chefarzt Neurologische Klinik

SHG-Kliniken Sonnenberg
Sonnenbergstraße, 66119 Saarbrücken

Quellen und Referenzen

  1. www.parkinson-aktuell.de
  2. www.morbus-parkinson-aktuell.de
  3. www.careship.de
  4. www.uniklinik-freiburg.de
  5. www.vitanet.de
  6. www.parkinsonklinik.org

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