Uns gibt es auch im Norden
JuPa · Junge Parkinsonkranke · RLP-Süd

Veranstaltungsbericht "Urologische Störungen bei Parkinson"

 Kategorie:  Neu Berichte

Bericht zum Vortrag vom 03. April 2019 mit Dr. Ilona Csoti als Referentin

Termin: 03.04.2019

Referentin: Dr. Ilona Csoti

Ort: Deutschordensaal, Kreissparkasse Kaiserslautern

„Blasenfunktionsstörungen sind keine Seltenheit bei Morbus Parkinson, rund 70 Prozent aller Betroffenen klagen darüber“, sagte Dr. Csoti. Aber auch allgemein gehörten urologische Störungen zu den häufigsten Beschwerden im Alter. Bei Parkinson-Patienten könnten die Probleme jedoch durch die Erkrankung hervorgerufen oder zusätzlich verstärkt werden.

„In einer gesunden jungen Blase können sich 500 Milliliter Urin ansammeln. Im Durchschnitt findet sechs Mal am Tag eine vollständige Entleerung der Blase statt. Der nächtliche Schlaf wird nicht durch Harndrang unterbrochen.“

Eine gesunde ältere Blase (ab 50 Jahren) enthalte nur noch 300 bis 400 Milliliter Urin, der Strahl beim Wasserlassen sei schwächer. „Männer, die eine Prostatavergrößerung haben, verspüren tagsüber und nachts einen häufigen Harndrang. Sie müssen beim Wasserlassen pressen, die Entleerung wird unterbrochen, der Harnstrahl ist schwächer, es kommt zum Nachträufeln und die Blase wird nur unvollständig entleert.“ Die Ursache liege in einer Gewebewucherung der Prostata, die auf die Harndrücke drückt und sie quetscht.

Frauen könne mit zunehmendem Alter eine Bindegewebsschwäche und die Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur zu schaffen machen. Es komme zu Inkontinenz beim Husten, Niesen und Lachen, sowie einem Harndrang, der sich nicht zurückhalten lasse.

„Bei Parkinson-Patienten werden die Probleme von neurologisch bedingten Störungen der Blasenfunktion verursacht oder verstärkt. Dabei kann die Blase überaktiv sein, sodass die Betroffenen häufig und dringend auf die Toilette müssen und den Urin meist nicht zurückhalten können.“ Ebenso könne die Blase nicht aktiv genug sein. Auch wenn sie voll sei, könne sie nicht völlig entleert werden. Es bleibe Restharn zurück. „Das ist gefährlich. Da die Blase mit den Nieren verbunden ist, kann Urin in sie zurücklaufen und durch Bakterien zu einer Nierenentzündung bis hin zur Sepsis führen.“ Dieses Risiko bestehe auch bei einer Überlaufblase. „In dem Fall verspüren die Betroffenen nicht, dass die Blase voll ist. Sie füllt sich immer weiter und kann durch ihre ständige Vergrößerung zu einem Darmverschluss oder einer Nierenvergiftung führen. Die Blase muss dringend entleert werden, ein Katheter ist die einzige Möglichkeit“, so Ilona Csoti.

Um die entsprechenden Maßnahmen treffen zu können, müssten als erstes die Ursachen für eine Blasenfunktionsstörung ärztlich abgeklärt werden, um etwa einen Harnwegsinfekt auszuschließen. Dazu diene ein so genanntes Miktionsprotokoll, in dem die tägliche Häufigkeit des Wasserlassens, die jeweilige Urinmenge und das Trinkverhalten festgehalten werden. Außerdem werde noch untersucht, ob sich in der Blase Restharn befindet, was ab einer Menge von etwa 100 Milliliter abgeklärt werden müsse.

Als Therapie bei einer hyperaktiven Blase stünden orale anticholinerge Medikamente zur Verfügung. „Allerdings können sie etliche Nebenwirkungen haben, wie Mundtrockenheit, verstärkte Verstopfung, Sehstörungen bis hin zu Verwirrtheit. Deshalb ist die Therapie nicht einfach. Aber es gibt auch externe Hilfsmittel. Dazu gehören Blasenschrittmacher und botulines Toxin, das in die Blase gespritzt wird.“ Für Frauen empfehle sich ein Beckenbodentraining. „Auch die Blase kann trainiert werden, indem man alle zwei Stunden zur Toilette geht und die Blase an diesen Rhythmus gewöhnt.“ Die Ärztin empfiehlt, täglich 1,5 Liter zu trinken in Form von Wasser oder Tee, allerdings nicht mehr nach 17 Uhr, um dem nächtlichen Harndrang vorzubeugen.

„In der Nacht mehrmals aufstehen zu müssen, beeinträchtigt die Schlafqualität. Außerdem sind Parkinson-Patienten in ihrer Beweglichkeit nachts besonders beeinträchtigt und haben einen niedrigen Blutdruck, was den Gang zur Toilette erschwert. Aber es gibt einige Möglichkeiten, ihn sich zu ersparen. Mit Hilfe eines Toilettenstuhls neben den Bett, mit Einlagen oder einem Katheter. Männern steht die Urinflasche zur Verfügung oder ein Urinalkondom, das es in der Apotheke gibt. Für unterwegs eignen sich Penistaschen. Frauen können einen Urin-Ableiter nutzen, um nicht direkt mit fremden Toiletten in Berührung zu kommen.“

Im Anschluss an ihren Vortrag stellte die Medizinerin Ergebnisse des Deutschen Parkinson Kongresses im März vor. Demnach mache die Forschung hoffnungsvolle Fortschritte. „Ein großes Thema sind Biomarker, mit deren Hilfe sich zum Beispiel in Tränenflüssigkeit oder mittels einer Hautbiopsie Parkinson nachweisen lässt und zwar schon Jahre bevor die Erkrankung offensichtlich ausbricht.“ Aber auch die Genetik sei auf dem Vormarsch, wobei besonders zwei Mutationen interessant seien. Darüber hinaus habe man festgestellt, dass Medikamente aus anderen Gebieten auch für die Behandlung von Parkinson geeignet seien. „Eine Alternative zur Tiefen Hirnstimulation hat sich in Form von MRT mit Ultraschall gefunden. Ein Gerät gibt es bereits an der Uniklinik Bonn.“ Allerdings sei die Methode noch nicht zugelassen und werde ausschließlich bei starkem Tremor eingesetzt.

Dr. Ilona Csoti, ärztliche Direktorin der Gertrudis-Klinik in Leun-Biskirchen, eine neurologische Akut-Klinik

Brandneu oder kürzlich aktualisiert