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Veranstaltungsbericht „Neue medikamentöse Therapien bei der Parkinson Krankheit”

 Kategorie:  Neu Berichte

Nachlese zum Vortrag von Dr. Robert Liszka am 6. November 2019

Beim letzten Gruppentreffen für das Jahr 2019, am 6. November, referierte Dr. Robert Liszka über „Neue medikamentöse Therapien bei der Parkinson Krankheit“. Nach etlichen Jahren am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, wechselte er Anfang des Jahres ans Marienkrankenhaus in St. Wendel, um dort als Chefarzt die Klinik für Neurologie zu leiten.

„Der Wettkampf in der Industrie ist groß, aber die Entwicklung neuer Medikamente teuer. Deshalb halten sich manche Unternehmen zurück. Doch es wird viel geforscht und so ist künftig mit neuen Präparaten  zu rechnen“, startete Dr. Liszka in seinen Vortrag.

Bereits auf dem Markt ist Droxidopa. „Es eignet sich für Patienten, deren Blutdruck nach dem Aufstehen stark abfällt. Seine Wirkung beruht auf der Bildung von Noradrenalin, das den Blutdruck erhöht.“ Noch besser wirke Droxidopa bei ausgeprägtem Freezing. Die Kapseln werden dreimal täglich eingenommen.

Vorerst noch keine Zulassung habe Carbidopa-Levodopa (IPX066). Bereits eine L-Dopa-Tablette soll über den ganzen Tag helfen und laut Studien die OFF-Zeit reduzieren.

Allerdings kommt auch dieses Präparat nicht ohne Nebenwirkungen aus, die zum Beispiel als Übelkeit, Schlaflosigkeit oder Durchfall auftreten können.

„Bei manchen Patienten ergibt die Untersuchung, dass die Tabletten zu lange im Magen bleiben. Das heißt, sie kommen nicht oder deutlich verzögert dort an, wo sie gebraucht werden. Entsprechend verringert ist ihre Wirkung.“ Dem soll ein Inhalationsgerät Abhilfe schaffen, das L-Dopa in Puderform über die Atemwege in den Körper transportiert. Es hat noch keinen Namen, seine Bezeichnung ist CVT-301-005 L-Dopa.

Ebenfalls noch nicht auf dem Markt ist Pimavanserin, ein Wirkstoff, der gegen Halluzinationen und Trugbilder eingesetzt wird. „Im Rahmen einer Studie von 2014 zeigten Patienten nach 43 Tagen eine signifikante Verbesserung, auch was das Schlafverhalten und apathische Zustände betrifft. Als Nebenwirkung traten Entzündungen der Blase auf.“

Gegen Progressive Supranukleäre Blickparese, eine degenerative Erkrankung des Gehirns in Form von Eiweißverklumpungen, die zu Bewegungsstörungen, Augenmuskel- und Blicklähmungen führt, soll künftig intravenöses BIIB092 helfen.  „Seine Wirkung beruht auf einer Senkung desPau Proteins im Liquor, mit dem Ziel, eine weitere Ausbreitung der Eiweißverklumpungen zu hemmen. Doch noch ist das Medikament nicht auf dem Markt. “

Bereits seit zehn Jahren wird der  Wirkstoff Safinamid eingesetzt, um den Abbau von L-Dopa zu hemmen. Dadurch könne sowohl eine Verbesserung der OFF- wie auch der ON-Zeit um eine Stunde pro Tag erreicht werden, so der Neurologe. Als Nebenwirkungen können etwa Übelkeit, Schwindel und Benommenheit auftreten.

Auch Opicapon (Handelsname Ongentys), das seit 2016  zugelassen ist, könne die OFF-Zeit um zwei Stunden verkürzen. „Es wird einmal pro Tag zusammen mit der L-Dopa-Therapie eingenommen. Durchfälle sind als Nebenwirkung nicht notiert, allerdings ist bei 20 Prozent der Patienten das Problem der Überbeweglichkeit aufgetreten.

Im Weiteren kam Dr. Liszka auf die schon lang geführte Diskussion zu sprechen, wann eine L-Dopa-Therapie bei jungen Parkinson-Patienten begonnen werden soll. „Bisher verfolgte man den Ansatz, die Therapie nicht zu früh zu starten und die Dosierung nach Möglichkeit gering zu halten, da sonst das Risiko der Überbeweglichkeit bestehe.“ Eine neue Studie (LEAP) habe nun gezeigt, dass junge Patienten bei L-Dopa-Einnahme über zwei Jahre keine negativen Effekte zeigten.

„Ein vielversprechender Ansatz zur Eindämmung von Morbus Parkinson könnten maßgeschneiderte Antikörper sein, die per Infusion verabreicht werden. Sie sollen die Ausbreitung von Alpha-Synuklein im Nervensystem verhindern sowie Ablagerungen reduzieren und so den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.“ Dieses Prinzip werde in zwei großen Studien (PASADENA und SPARK) mit deutscher Beteiligung an 600 Patienten getestet.

Davon ausgehend, dass bei fünf bis zehn Prozent der Parkinson-Patienten die Krankheit genetisch bedingt ist, nimmt die Forschung verstärkt die Gene in den Fokus. So habe das internationale Gen-Konsortium das Erbgut von 38 000 Patienten durchforstet und mit dem von 1,4 Millionen nicht erkrankter Personen verglichen. „Hat man die verantwortlichen Gene gefunden, weiß man, wo man angreifen muss“, warf der Mediziner einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

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