Junge Parkinsonkranke Rheinland-Pfalz-Süd

Veranstaltungsbericht „Alltagsgestaltung unter Einfluss der Parkinson Krankheit”

 Kategorie:  Neu Berichte

Nachlese zur Veranstaltung vom 05.09.2018

Termin: 05.09.2018
Ort: Deutschordensaal, Kreissparkasse Kaiserslautern
Referent: Dr. med. Michael Werner, Arzt für Neurologie, Bad Schwalbach

Der erste Vortrag nach der Sommerpause 2018 fand am 5. September statt. Darin widmete sich Dr. Michael Werner dem Thema „Alltagsgestaltung unter Einfluss der Parkinson Krankheit“. Obwohl er im Sommer den Chefarztsessel der neurologischen Abteilung im Klinikzentrum Lindenallee in Bad Schwalbach gegen den Ruhestand eingetauscht hat, erklärte er sich aus alter Verbundenheit für das Referat bereit.

Zunächst warf er einen Blick auf die Geschichte der Morbus Krankheit und James Parkinson, der sie als erster beschrieben hat. „Er bezeichnete sie als Schüttellähmung, aber das ist nicht ganz richtig, Denn der Tremor trifft nicht auf jeden zu. Außerdem sind Parkinsonpatienten nicht gelähmt, sondern nur verlangsamt“, klärte der Mediziner auf. Deshalb spreche man heute vom Parkinson-Syndrom, weil es verschiedene Symptome gibt. Noch sei die Ursache für die Erkrankung des Nervensystems ungeklärt, fest stehe jedoch, dass es sich um ein Absterben der Nervenzellen in der Substantia Nigra, einer Region im Mittelhirn, handelt.

Als Auslöser würden verschiedene Faktoren gehandelt, darunter oxidativer Stress (Abnahme der körpereigenen Entgiftung), Umwelttoxine, Lebensalter, Medikamente. Eher eine Ausnahme sei die genetische Disposition.

Typische Symptome seien neben der Langsamkeit, Muskelsteifigkeit, Tremor, Unsicherheit auf den Beinen sowie verminderte Reflexe. Als Begleiterscheinungen zeigten sich eine nach vorne gebeugte Haltung und eine kleiner werdende Schrift.

Um mit der Langsamkeit zurecht zu kommen, empfahl der Neurologe, nicht zuviel in einen Tag zu packen und dadurch unnötigen Druck zu vermeiden. „Bei Störungen der Feinmotorik hilft es, den Schwung im Handgelenk zu üben. Dafür eignet sich zum Beispiel das Zeichnen von Spiralen, aber auch Klavier- oder Akkordeonspielen.“

Auch Begleitsymptome stellten im Alltag vor eine Herausforderung. Dazu zählten eine verstärkte Fettabsonderung der Haut (Seborrhoe) und die Absonderung der Schweißdrüsen (Sialorrhoe) aufgrund einer Fehlregulation durch das vegetative Nervensystem. Bei Verstopfung sei auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung zu achten.

„Auch Depressionen gehen oft mit Parkinson einher und können schon auftreten, bevor sich die Krankheit bemerkbar macht. Angehörige sollten zwar versuchen, den Patienten aufzumuntern, aber ihn bitte nicht antreiben. Wichtig ist es, ihm zuzuhören.“

Außerdem riet Michael Werner dazu, die Zeiten guter Beweglichkeit auszuschöpfen und den Alltag bewusst zu gestalten, mit sportlicher Betätigung und Kontaktpflege, aber auch mit Ruhephasen.
Ein Videoclip veranschaulichte, welche Hilfsmittel im Haushalt das Leben vereinfachen können. Am Eingang und an Treppen sollte auf Handläufe und gute Beleuchtung geachtet werden. Miniaufzüge und Treppenlifter helfen, Stufen zu überwinden.

In der Küche komme es auf Übersichtlichkeit, gut zu bedienende Geräte und leicht erreichbare Gegenstände an. Im Wohnzimmer gelte es, auf bequeme Sitzmöbel, die das Aufstehen erleichtern, zu achten. Ein höhenverstellbares Bett, kombiniert mit einer Aufstehhilfe empfiehlt sich fürs Schlafzimmer.
Mit einer WC-Erhöhung, Hocker in der Dusche, Sitzhilfe in der Wanne, rutschfesten Unterlagen, Haltegriffen und ein kippbarem Spiegel sei ein Bad gut ausgestattet.

Obendrein helfen Griffverdickungen für Schreibgeräte und Essbestecke, lange Schuhlöffel, Strumpfanziehhilfen, langstielige Besen und Schaufeln sowie Lesehilfen Probleme bei alltäglichen Verrichtungen zu minimieren.

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