Uns gibt es auch im Norden
JuPa · Junge Parkinsonkranke · RLP-Süd

Zufrieden leben, auch mit Parkinson?

Mit der Diagnose Morbus Parkinson bricht für viele erstmal eine Welt zusammen. Lebensziele, Wünsche und Träume scheinen in unerreichbare Ferne gerückt, wie soll man da von Zufriedenheit oder gar Glück sprechen.

Vielleicht ist es dir zu Beginn deiner Erkrankung genau so ergangen oder du erlebst es gerade im Augenblick wieder. Der Wechsel der Gefühle ist meist keine einmalige Sache, Hochs und Tiefs können wie Jahreszeiten immer wiederkehren.

„Du musst deine Krankheit akzeptieren“, vielleicht hast du diesen Rat auch schon von Freunden und Angehörigen gehört. Aber stimmt das wirklich und vor allem, ist das für alle Betroffenen und für alle Phasen der Erkrankung eine gute Empfehlung?

Schauen wir uns doch einmal an, was die Wissenschaft dazu sagen kann. Eine Buchempfehlung findest du am Ende dieses Textes.

Eine schwere Erkrankung gehört zu den einschneidenden Krisen unseres Lebens, genau wie der Tod eines nahestehenden Menschen, Verlust des Arbeitsplatzes oder des Vermögens, Scheidung und Trennung.

Wir Menschen gehen verschieden mit diesen Krisen um, dennoch haben sich in der Forschung bestimmte Muster und Phasen gezeigt. Am Anfang steht häufig die Verleugnung, die sich ausdrückt in Sätzen wie, „Das kann doch nicht wahr sein, das glaube ich einfach nicht.“

Es folgen Zeiten der Wut mit der Botschaft „Warum ich, das ist nicht gerecht.“ oft im Wechsel mit Niedergeschlagenheit und Aussichtslosigkeit.

Häufig folgt darauf eine Zeit des inneren und äußeren Verhandelns „OK, ich bin bereit, das zu tun, wenn ich diese Verbesserung dafür bekomme.“ Und manchmal, keineswegs immer, folgt ein sich arrangieren mit der Erkrankung „Ich muss meinen Parkinson nicht lieben, es reicht, wenn wir beide irgendwie miteinander klarkommen.“

Wenn du dem Text bis hierhin gefolgt bist, fragst du dich vielleicht, was das alles mit Zufriedenheit und Glück zu tun hat.

Sehr viel, denn Glück und Zufriedenheit sind unstete Gesellen, man kann auch sagen, unverhoffte Gäste, die kommen und gehen, wie es ihnen beliebt.

Unsere Vorstellung ist jedoch oft geprägt von kindlichen Märchenwelten „… und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.“

Schön wär´s und die wenigen Menschen, die mit diesem Blick durch die Welt gehen, mögen sich einfach freuen. Und glücklich sein.

Schmetterling auf Finger

Blauer Schmetterling

Für die meisten von uns geht es mehr darum, die kleinen Wellen des Glücks überhaupt wahrzunehmen und zu genießen.

Trotz des Meeres an realen und vermeintlichen Problemen und Traurigkeiten, das sie umgibt.

Hermann Hesse hat das Vergängliche solcher Momente in seinem Gedicht „Blauer Schmetterling“ poetisch in Worte gefasst.

So mit Augenblicksblinken,

So im Vorüberwehn

Sah ich das Glück mir winken,

Glitzern, flimmern, vergehn.

Glücksspirale

Wir haben für dich eine Glücksspirale gezeichnet, darin kannst du eintragen, was zu deiner Zufriedenheit und deinem Glück beiträgt. Was war es vor deiner Erkrankung und was ist es heute?

Und gibt es vielleicht Glücksmomente, die geblieben sind und die sich wie ein roter Faden durch dein Leben ziehen. Die Glückspirale findest du auch im Anhang und kannst sie ausdrucken.

Geld macht nicht glücklich, heißt es und in der Tat sind viele reiche, schöne und berühmte Menschen durchaus unglücklich. Wenn du jedoch kein Geld hast, dann merkst du, dass Geld sehr wohl die Basis für Zufriedenheit und Glück sein kann.

Und so ähnlich ist es auch mit der Gesundheit und obwohl wir stets beteuern, dass Gesundheit das Wichtigste sei, sind doch viele gesunde Menschen keineswegs glücklich, „nur weil sie gesund sind“. Wie war das bei dir damals, vor der Erkrankung? Warst du zufrieden und glücklich oder gab es andere Dinge, die nicht so recht gepasst haben?

Glücksspirale herunterladen (PDF)

Das ist menschlich und für die meisten von uns, die noch nicht jeden Tag die ganze Welt umarmen können, ist das auch ganz normal.

Lass dir also nicht einreden, dass du deinen Parkinson einfach nur akzeptieren musst.

Wenn das nicht gelingt, fühlst du dich noch mieser. Wenn du wütend bist, sei einfach wütend. Achte nur darauf, dass die Menschen, die für dich da sind, nicht die ganze Ladung abkriegen.

Gleiches gilt natürlich auch für andere Gefühle, wie Trauer, Hoffnungslosigkeit oder Angst. Solange sie kommen und gehen, kann das Teil deiner ganz normalen Krankheitsbewältigung sein.

Professionelle Hilfe ist jedoch angesagt, wenn diese Stimmungen gar nicht mehr weichen wollen und sich wie eine Schleier über dein Leben legen.

Und wenn dann alle Gefühle, Empfindungen und Stimmungen kommen und gehen dürfen, dann schafft das den Raum, um die kleinen Momente der Zufriedenheit und des Glücks überhaupt wahrzunehmen.

Das ist ein guter erster Schritt auf dem Weg, und wenn du dann jeden Tag einen Fuß vor den anderen setzt, wer weiß, was dir so alles an Glücksmomenten begegnen wird. Und dann vergiss nicht, Glück gehört zu den wenigen Dingen, die mehr werden, wenn man sie teilt.

„Wenn Krankheit das Leben verändert.
Über den Umgang mit Brüchen im bisher Vertrauten“

Elisabeth Petrow, Torsten Passie

Psychosozial Verlag 2019
310 Seiten zum Preis von 29,90 €
ISBN 3837928829

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