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JuPa · Junge Parkinsonkranke · RLP-Süd

Parkinson und Reisen

Lust auf Reisen

Nach zwei Jahren Pandemie mit all ihren Beschränkungen bei Urlaub und Reisen freuen sich viele Menschen darauf „endlich wieder unterwegs“ zu sein. Die Flughäfen und Bahnhöfe sind voll und auf den Straßen werden in diesem Sommer wieder die üblichen langen Staus erwartet.

Wenn es ans Kofferpacken geht, dann soll auch die Parkinsonerkrankung kein Hinderungsgrund sein. Erholung, eine andere Umgebung, ein angenehmes Klima und inspirierende Eindrücke können eine willkommene Abwechslung sein im Alltag mit der Erkrankung mit seinen Einschränkungen und Routinen.

Und du, möchtest du gerne wieder reisen oder hast schon konkrete Urlaubspläne gemacht?

Dann ist dieser Artikel genau richtig, hier haben wir zusammengefasst, worauf Menschen mit Parkinson besonders achten sollten, wenn sie auf Reisen gehen.

Parkinson und Reisen

Gut geplant ist gut gereist

Die Zeiten, wo wir spontan am Flughafen ein günstiges Ticket „egal wo hin, Hauptsache warm und schön“ gekauft und sofort einsteigen konnten, sind vorbei. Impfnachweise, Visa-Anträge, Reisewarnungen und Vorab-Registrierungen sind die neue Normalität und erfordern eine langfristigere und sorgfältigere Planung.

An erster Stelle steht dabei die Auswahl der Urlaubsortes, ist das Klima dort ganz anders als zuhause, ist es sehr heiß oder sehr feucht? Liegt das Ziel im Gebirge und die Luft wird dünner, ist das Risiko für Infektionskrankheiten höher, die politische Lage unsicher oder gibt es gefährliche Tiere und Pflanzen.

Wie lange und anstrengend wird die Reise zum Urlaubsort sein, insbesondere bei sehr langen Flugreisen sollten Druckbelastung und Zeitverschiebung eingeplant werden und die Einnahme von Medikamenten oder das Tragen von Kompressionstrümpfen angepasst werden.

Wenn du mit dem Reiseveranstalter oder dem Hotel Absprachen triffst, z. B. ein barrierefreies Zimmer, spezielle Mahlzeiten oder eine Dusche mit Haltegriffen, dann las dir die getroffenen Vereinbarungen immer schriftlich bestätigen. Mündliche Absprachen sind im Streitfall schwer durchzusetzen.

Das Gespräch mit dem Arzt

Eine chronische Erkrankung oder Behinderung ist kein statischer Zustand, ständig gibt es Schwankungen und Veränderungen. Wie geht es dir zurzeit und erlebst du diesen Zustand als stabil? Sprich darüber mit deiner Partnerin oder deinem Partner, mit Freunden und natürlich mit deinem Arzt.

Und sprich rechtzeitig darüber, am besten vor der Buchung deiner Reise. Einfach gesagt geht es um die Frage, ob es dir nach der geplanten Reise besser geht und du erholt und gestärkt in deinen Alltag zurückkehrst. Oder ob das Ganze so anstrengend und risikoreich wird, dass du kränker als zuvor nachhause kommst.

Wenn du noch wenig Erfahrungen zum Thema „Reisen mit Parkinson“ hast, dann findest du in den Selbsthilfegruppen sicher gute Ansprechpartner*innen, mit denen du dich austauschen kannst.

Medikamente für deine Reise

Am Anfang deiner Überlegungen steht hier dein Medikationsplan, den du von deinem Arzt bekommen hast.

Dort sollten alle Medikamente aufgelistet sein, die du regelmäßig einnimmst, auch die rezeptfreien. Mit dieser Übersicht kannst du leicht ausrechnen, wieviel Medikamente du für eine, zwei oder drei Wochen Urlaub einpacken solltest.

Gerade bei Flugreisen solltest du neben dem großen Vorrat im Koffer immer auch eine kleine Sicherheitsreserve bei dir tragen. Im Notfall muss diese Reserve ausreichen, bis du neue Medikamente beschaffen kannst.

Alle Medikamente und Geräte, die du bei dir hast, sollten in einem Dokument in Landessprache verzeichnet sein, so vermeidest du Probleme am Zoll, bei Polizeikontrollen und Notfällen.

Bei längeren Flugreisen kann es notwendig sein, die Dosis deiner Medikamente anzupassen, insbesondere bei Levodopa.

Grundsätzlich gilt, bei Flügen nach Westen, also mit der Zeitverschiebung, können zusätzliche Tabletten notwendig werden. Umgekehrt kann es bei Flügen nach Osten sinnvoll sein, die Zahl der Tabletten zu verringern. Besprich das am besten vorab mit deinem Arzt.

So organisierst du deine Medikamente

  • Bedarf für alle Urlaubstage berechnen
  • Die meisten Medikamente in Koffer
  • Kleiner Vorrat ins Handgepäck
  • Rezepte für Ersatzbeschaffung
  • Schutz bei Hitze, Kälte, Regen

Hilfreiche Dokumente

Das hilft dir auf Reisen

  • Ausweis, Führerschein
  • Versichertenkarte
  • Nothilfepass mehrsprachig
  • Arztbrief in Landessprache
  • Medikamentenpass
  • Kopien deiner Rezepte

Neben den allgemeinen Papieren, wie Ausweis, Führerschein und Versichertenkarte kann es sehr nützlich sein, wenn du einige zusätzliche Dokumente bei dir hast.

Je exotischer und entfernter dein Reiseziel ist, desto wichtiger sind solche Unterlagen.Da ist zunächst einmal ein mehrsprachiger Nothilfepass, in dem grundlegende Informationen wie Blutgruppe, Medikamente oder behandelnder Arzt eingetragen werden.

Viele Apotheken bieten solche Nothilfepässe an, du kannst sie auch online nutzen, die kostenfreie Vorlage der Techniker Krankenkasse haben wir hier als Beispiel eingefügt.

Nothilfepass als PDF

Unbedingt empfehlenswert ist auch ein Dokument in der Sprache deines Reiselandes oder alternativ in englischer Sprache, in dem deine Erkrankung, die Therapie und die einzelnen Medikamente genau beschrieben sind.

Am besten wird dieses Papier von deinem Arzt unterschrieben und gestempelt, zusätzlich solltest du Kopien deiner Rezepte bei dir haben. Beides kann Probleme am Zoll und bei Notfällen vermeiden.

Notfallvorsorge am Urlaubsort

Zuhause in Deutschland kennst du dich gut aus und weißt, an wen du dich bei gesundheitlichen Problemen und Notfällen wenden kannst. Aber wie sieht das am Urlaubsort aus?

Hast du dort einen Arzt oder eine Klinik für alle Fälle, die sich auch mit deiner Erkrankung auskennen? Wie weit sind die weg, in welcher Sprache kannst du dich verständigen und wer trägt die Kosten?

Natürlich wollen wir nicht vom Schlimmsten ausgehen, dennoch gibt eine gute Planung dir beruhigende Sicherheit und du kannst dich ganz auf die angenehmen Seiten deiner Reise konzentrieren.

Sprich auch vorab mit deiner Krankenkasse und kläre ab, welche Leistungen sie im Ausland erbringt. Vielleicht ist auch eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung oder eine Rücktransportversicherung sinnvoll.

Das ist wichtig bei Flugreisen

Die meisten Fluggesellschaften bemühen sich, auf die besonderen Bedarfe chronisch kranker und behinderter Menschen einzugehen und bieten etwa größere Sitze, mehr Beinfreiheit oder spezielle Menüs an.

Oft gibt es dafür eigene Fragebögen, die du vor der Reise in Ruhe ausfüllen kannst. Viele Fluggesellschaften befördern auch das Sondergepäck behinderter Menschen ohne Mehrkosten, etwa Gehhilfen oder Rollstühle.

Achte darauf, dieses Sondergepäck rechtzeitig beim Kundenservice der Airline anzumelden.

Wie das genau geht, ist (leider) nicht einheitlich geregelt und die Details können sich bei jeder Airline unterscheiden, für die Suche gib den Namen der Fluggesellschaft plus barrierefrei als Suchbegriff ein.

Überlege auch frühzeitig, wie du zum Flughafen oder Bahnhof kommst. Am einfachsten ist es natürlich, wenn dich jemand hinfährt und abholt oder du direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen kannst. Wenn das nicht möglich ist, kannst du abklären, wo die Behindertenparkplätze liegen und wie du von dort zum Gate kommst.

Wenn du für deine Therapie auch Geräte nutzt, etwa Levodopapumpe, Apomorphinpumpe oder Hirnschrittmacher, dann solltest du auf jeden Fall vorher klären, wie die Sicherheitskontrollen ablaufen.

Wichtig ist, dass deine Geräte gerade bei alten Sicherheitsschleusen keinen Schaden nehmen. Und natürlich willst du auch ohne zusätzliche und vielleicht unangenehme Prozeduren „durchgewunken“ werden.

Mehr Informationen zu deinen Rechten als Flugreisende*r mit Mobilitätseinschränkungen in Europa findest du hier:

Mehr zu Mobilitätseinschränkungen

Schwimmen am besten in Begleitung

Beim Urlaub am Meer, Seen oder Flüssen gehört es für dich vielleicht einfach dazu, mal eben reinzuspringen und zu schwimmen. Vor allem, weil die positive Wirkung des Schwimmens bei Parkinson bekannt ist.

Sei dennoch vorsichtig, eine portugiesische Studie aus dem Jahr 2019 weist darauf hin, dass es beim Schwimmen aufgrund der parkinsonbedingten Bewegungseinschränkungen zu gefährlichen Situationen und sogar zum Ertrinken gekommen war.

Das soll dich jetzt vom Wasser abhalten, nimm einfach eine Begleitperson mit und sei besonders vorsichtig bei unbekannten Gewässern mit Strömungen und Tiefen.

Hier findest du Unterstützung

Urlaub und Reisen sind uns wichtig, deshalb gibt es auch sehr viele Informationen, Vorlagen und Beratungsangebote rund um „die schönsten Wochen des Jahres“.

Die Deutsche Parkinson Vereinigung DPV e.V. bietet einen Ratgeber „Reisen mit Parkinson“ an, den du für 2,50 € als pdf runterladen kannst.

Hier geht es direkt zum Shop

Checkliste für deine Reiseplanung

  • Ausweis, Führerschein, Versichertenkarte
  • Behindertenausweis
  • Zusatzversicherung, falls nötig
  • Impffahrplan
  • Internationale Dokumente
  • Rezepte, Medikamentenpass für Zoll
  • Ausreichend Medikamente
  • Medikamente auch im Handgepäck
  • Schriftliche Vereinbarungen treffen

Weblink

Webseite zum Thema Behinderung – Urlaub und Reisen

Webseite besuchen

Reiseführer

Speziell für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen bietet der Reiseführer  „Handicapped Reisen“ viele detaillierte Angebote in Deutschland.

Zum Reiseführer

Buchtipp

„Wanderlust mit Mister Parkinson“
Pamela Spitz

KIWI Paperback, 2. Auflage August 2021

288 Seiten zum Preis von 18 €
ISBN-13:  978-3462055108

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