Junge Parkinsonkranke

Rheinland-Pfalz-Süd

02.05.2018 15:00 Uhr
Kategorie: Veranstaltungsberichte, Treffen (JuPa), Treffen (RG)

Vortrag · 15:00 Uhr · „Neue Entwicklungen in der Therapie der Parkinsonkrankheit”

Deutschordensaal, Kreissparkasse Kaiserslautern, Am Altenhof 12–14, 67655 Kaiserslautern, Telefon 0631. 36360, Internet: www.kskkl.de

Referent: Prof. Dr. med. Sergiu Groppa, Leiter der Sektion Bewegungsstörungen und Neurostimulation, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

 

Nachlese

Vortrag von Prof. Dr. Sergiu Groppa.

Neue Entwicklungen in der Therapie der Parkinsonkrankheit – über dieses Thema referierte  Prof. Dr. Sergiu Groppa, Leiter der Sektion Bewegungsstörungen und Neurostimulation an der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, am 2. Mai.

„Noch bevor die typischen Symptome auftreten, merken die Menschen, dass es etwas mit ihnen nicht stimmt. Zum Beispiel an Schlafstörungen, der Verdauung, der Stimmung oder am Schriftbild, das sich mit der Zeit verändert. „Das können Vorboten der Parkinson-Erkrankung sein. Sie sollten ernst genommen und einem Arzt geschildert werden“, sagte der Mediziner.  Das gelte auch für Veränderungen im Verlauf der diagnostizierten Krankheit. „Denn je früher gehandelt wird, desto besser lässt sich gegensteuern.“ 

Parkinson sei nicht nur eine Erkrankung der Motorik, auch die Psyche spiele eine Rolle, etwa durch das Auftreten von Depressionen. Die Vielzahl der Symptome und die damit verbundenen Einschränkungen führten nicht selten zu einem Rückzug der Betroffenen. Der Mangel an psychosozialen Kontakten gehe wiederum zulasten der Lebensqualität. 

„Um die Krankheit möglichst früh zu erkennen und zu therapieren, braucht es eine gute Kommunikation mit dem Arzt. Er sollte ein stabiler Partner sein, der aufmerksam zuhört und ein Netzwerk zu anderen Behandlungspartnern knüpft.“ Denn Parkinson lasse sich nur wirksam behandeln, wenn ein ganzes Team aus Hausarzt, Neurologe, Ergo-, Logo- und Physiotherapeuten daran beteiligt sei.

Zwar lasse sich die Krankheit noch nicht heilen, allerdings sei der Forschung 2017 ein Durchbruch gelungen. Man wisse schon lange, dass es bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn gibt, nun habe man diese auch in der Haut gefunden hat.  „Ein Hauttest erlaubt jetzt eine frühe Parkinsontherapie. Das ist ein Meilenstein in der Forschung.“

Auch 2018 mache die Wissenschaft Fortschritte. Laut einer Studie seien auch in der Tränenflüssigkeit Proteine nachweisbar, die mit Parkinson in Verbindung stehen. Sie könnten sich als Biomarker zur Frühdiagnostik eignen. 

Außerdem befassten sich zwei laufende Studien mit den genetischen Risikofaktoren der Parkinson-Krankheit. Es werde an einer genetischen Therapie gearbeitet, die es ermöglichen soll, die genetischen Grundlagen zu verändern. 

Doch was tun, bis es soweit ist?

„Viel Sport treiben, dreimal die Woche 45 Minuten und zwar so, dass man ins Schwitzen kommt.“ Durch entsprechende Ernährung lasse sich die Darmtätigkeit ankurbeln und somit Verstopfung vorbeugen.

Desweiteren ging Groppa neben der Medikation per Apomorphin- und Dudopa-Pumpen auf zwei neue Medikamente ein: Safinamid (Xadago) und Opicapon (Ongentys). „Bei Schwankungen lohnt es sich, sie auszuprobieren.“

Als Spezialist der Tiefen Hirnstimulation riet der Mediziner, mit dieser Methode nicht allzu lange zu warten. „Denn sie bringt große Verbesserungen, die über Jahre anhalten. Bei einer Studie hat sich gezeigt, dass auch die Stimmung davon profitiert.“ Zwar machten sich viele Sorgen, dass sich nach der THS die Sprache verschlechtere. Das müsse keine dauerhafte Folge sein, betonte Groppa, wenn die Nachsorge stimmt. „Der Patient sollte nicht gleich am letzten Tag der Behandlung nach Hause geschickt werden. Eine umfassende nachoperative Versorgung, in der Ärzte der Klinik, der Reha und niedergelassene kooperieren, ist sehr wichtig.“